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"Gesture Drawing": Was ist das?
Vielleicht hast du schon einmal Gestenzeichnungen anderer Künstler*innen gesehen: schnelle, charmante Skizzen von Menschen (aber auch Tieren), die mitten in einer Bewegung oder in einer interessanten statischen Pose eingefangen sind. Faszinierend daran ist, dass es bei Gesture nicht darum geht, eine realistische Darstellung der Anatomie zu erstellen oder Schatten und Texturen präzise und lebensecht wiederzugeben.
Nein, worauf es bei Gesture ankommt, ist, das Gefühl, die Richtung, und die Absicht hinter einer Bewegung oder Pose aufs Papier zu bringen, schwarz auf weiß. Mit so wenigen Linien wie möglich fängt die Künstlerin oder der Künstler einen Moment ein und stellt eine Pose so dar, dass sie trotz ihrer Einfachheit noch für die Betrachtenden lesbar ist.
Aufgrund dieser Natur ist Gesture Drawing eine gute Übung, nicht nur für fortgeschrittene Künstler**innen, die ihre Anatomiekenntnisse trainieren möchten, sondern auch für Anfänger*innen, die an ihrer Linienführung, ihrem Auge für Proportionen und ihrer Geschwindigkeit beim Skizzieren arbeiten wollen.
… Ja, richtig gehört: an ihrer Geschwindigkeit.

Versteh mich nicht falsch: In der Kunst ist es in den meisten Fällen eine sehr gute Idee, sich Zeit zu nehmen, um das, was man tut, richtig zu planen, zu verstehen und sauber auszuführen.
Aber bei Gestenzeichnungen gibt es noch eine weitere entscheidende Zutat, die sie besonders macht: Du solltest dein Bestes tun, nicht zu viel Zeit in eine einzelne Zeichnung zu investieren!
Du kennst das sicher auch: Je mehr Zeit du für eine Zeichnung hast, desto größer wird die Versuchung, dich in den charmanten kleinen Details der Augen zu verlieren oder an der Ausarbeitung von Schatten hängen zu bleiben … Das ist alles schön und gut, verfehlt aber nach einer Weile den eigentlichen Sinn von Gestenzeichnungen. Denn deren Hauptziele sind:
Aus all diesen Gründen ist es eine sehr gute Idee, dir beim Üben von Gestenzeichnungen einen Timer zu stellen (2 Minuten sind ein guter Richtwert, aber du kannst alles zwischen 30 Sekunden und 5 Minuten wählen) und in dieser Zeit wirklich alles zu geben.
Pinterest ist zwar immer eine großartige Quelle für Referenzen und Inspiration, aber es gibt noch eine weitere Website, die du kennen solltest, ganz besonders fürs Gestenzeichnen: line-of-action.com!
Diese Seite ist auf Referenzbilder von menschlichen Posen für Künstler*innen spezialisiert. Dort findest du eine praktische Funktion (hier ist die genaue Adresse), mit der du dir deine eigene Session fürs Gestenzeichnen individuell zusammenstellen kannst. Du kannst auswählen, welche Art von Modellen und Posen du sehen möchtest, und dir selbst einen Timer setzen, zum Beispiel auf 5 Minuten.
Line-of-action zeigt dir dann jeweils ein Foto für genau diese Zeit. Sobald der Timer abläuft, wechselt die Seite automatisch zur nächsten Pose. Du musst dich also um nichts kümmern: Lehn dich zurück, schnapp dir Stift und Skizzenbuch, und lass die Magie passieren ✨
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Also: Der Timer steht bereit, deine Bildreferenzen sind geladen … aber wie gehst du nun ganz konkret an eine gestische Pose heran?
Ganz einfach: Du musst erkennen, wo der Kern der Bewegung liegt.
Wo steckt das Drama einer Pose?
Ist es die Verdrehung des Oberkörpers?
Ein großer Schritt mit einem Bein nach vorne?
Oder sind es die Arme, die in einer fließenden Linie „tanzen“?
Sobald du deine Referenz vor dir hast, besteht der wichtigste Schritt darin, die Line of Action - und dadurch das "Drama" - zu erkennen. Dabei handelt es sich um eine imaginäre Linie, die durch die Hauptachse bzw. die Grundgeste der Figur verläuft und ihre Bewegung, Energie und emotionale Spannung einfängt. Schau dir das Beispiel links an– dann wird das Konzept sofort klar.
Beginne deine Zeichnung mit dieser Line of Action. Sie gibt die gesamte Bewegung der Pose vor. Zeichne lange, schwungvolle Linien und hab keine Angst vor Fehlern! Je freier sich dein Stift bewegt, desto stärker wirkt die Pose. Viele Figuren brauchen diesen Schwung, um sich auf der zweidimensionalen Fläche zielgerichtet und selbstbewusst zu bewegen.
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Sobald die Hauptlinie steht, kannst du die übrigen Gliedmaßen, den Kopf und – falls vorhanden – grob die Falten der Kleidung hinzufügen. Bleib dabei unbedingt locker und vermeide es, deine Zeichnung mit Details zu beschweren. Konzentriere dich auf das, was wirklich notwendig ist, um Bewegung und Gefühl der Pose verständlich zu machen.
Tipp: Überzeichne ruhig einige Verdrehungen und Kurven, um die Pose noch kraftvoller wirken zu lassen! Hab keine Angst, zu übertreiben: bei Gestenzeichnungen gilt oft: mehr ist mehr. Mach es dramatisch!
Wenn die Website zum nächsten Bild wechselt oder dein Timer klingelt, ist die Zeichnung abgeschlossen und es geht direkt weiter zur nächsten. Versuch, nicht zu schummeln, das ist eine wirklich großartige Übung 😉
Wenn du deinen Timer zum Beispiel auf 5 Minuten stellst, kannst du in einer Stunde 30 Posen zeichnen! Das ist enorm viel Übung und unglaublich hilfreich für deine Linienqualität, dein Verständnis von Form und Anatomie sowie für deine Beobachtungsgabe.
Viel Spaß beim Ausprobieren! Und denk daran, immer wieder zu dieser Übung zurückzukehren, um deine Hand locker und dein Auge geschärft zu halten.
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